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Strukturen im Sozialforen-Prozess

Hier geht es darum, die grundlegenden und auch weniger grundlegenden Anforderungen an Strukturen im Sozialforen-Prozess zusammenzutragen (zu den Sozialforen siehe auch http://www.socialforum.at).

Was müssen Strukturen leisten, die sich wie die Sozialforen unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" gegen die neoliberale Vermarktung aller Lebensbereiche, die damit einhergehende Ausgrenzung ganzer Gesellschaftsbereiche und schließlich der damit ebenfalls einhergehenden Wiederlegitimierung kriegerischer Vorgangsweisen wendet?

Diese Strukturen müssten aus momentaner Sicht folgende Kriterien erfüllen:

  • Gleichberechtigung
  • Partizipation
  • Transparenz
  • freiwillige Kooperation
  • Lebbarkeit
  • Identität

Daraus ergeben sich:

  • partizipative, kooperative und transparente Informationsstrukturen
  • partizipative, kooperative und transparente Diskussions- und Entscheidungsstrukturen

    Es macht wohl Sinn zwischen Informations- und Entscheidungsstrukturen zu unterscheiden, weil ein Mensch zwar relativ einfach tausende andere informieren, aber lange nicht so einfach mit tausenden anderen Entscheidungen treffen kann.

    Gleichberechtigung

    Gerade die im Sozialforen-Prozess Involvierten scheinen mit der uralten Forderung nach Gleichberechtigung Ernst machen zu wollen. Es hat wohl noch nicht viele Bewegungen gegeben, die sich so bemüht hätten gesellschaftlich und systematisch diskrimierte Gruppen einzubeziehen.

    Was heisst Partizipation?

    Es geht um Teilhaben, um die Möglichkeit sich in den Diskussions- und Entscheidungsprozess gleichberechtigt wie alle anderen einbringen zu können. Das verlangt von allen Beteiligten, die Zugangsschwellen möglichst niedrig zu halten. Sprich, die, die schon drinnen sind, müssen denen, die noch nicht drinnen sind, hineinhelfen.

    Was heisst Transparenz?

    Es geht um das Nachvollziehenkönnen. Alle Entscheidungen, Diskursentwicklungen und Informationsläufe sollten nachvollziehbar dokumentiert sein. Und ebenso die bereits existierenden Strukturen.

    Was heisst freiwillige Kooperation?

    Es geht um das Miteinander-Arbeiten, um das freiwillig einander Zuarbeiten. Dazu ist einerseits Transparenz notwendig, um in Erfahrung bringen zu können, wer woran arbeitet, andererseits eine gewisse Uneigennützigkeit bzw. die Einsicht, dass alle im Prinzip am selben arbeiten. Schließlich geht es auch um das Annehmen-Können von Leistungen, die andere erbringen.

    Was heisst Lebbarkeit?

    Damit die Strukturen einigen Bestand haben, müssen sie auch lebbar sein, d.h. sie sollte sich mit möglichst geringem Aufwand in das alltägliche Leben integrieren lassen und nicht zu kompliziert sein - im Sinne der möglichst niedrigen Partizipationsschwellen.

    Identität

    Die an den Strukturen beteiligten Menschen sollten sich damit auch identifizieren können bzw. werden das auch tun, wenn sie sich freiwillig in die Strukturen einbringen können. Wenn sich niemand mit den Strukturen identifizieren kann, wird sie auch niemand aufrecht erhalten.

    Strukturelemente

    Welche Strukturelemente stehen den Sozialforenprozessen zur Verfügung?

    • Plena - Versammlungen
    • Arbeitsgruppen
    • Mailinglisten
    • Homepages, gemeinsame Archive
    • eigene Medien, MultiplikatorInnen

    All diese Strukturelemente wurden auch bisher eingesetzt, wobei es zwar so etwas wie einen mehr oder weniger stillen Konsens darüber gibt, wie diese Elemente zueinander in Beziehung stehen, was aber vor allem für NeueinsteigerInnen kaum nachvollziehbar ist.

    Plenumsbeschlüsse wiegen jedenfalls schwer. Beginnt eine Argumentation mit: "Es ist auf dem oder dem Plenum beschlossen worden, dass..." so hat das meist eine stark legitimierende Wirkung.

    Einigkeit herrscht jedenfalls darüber, dass niemand - also auch keine Arbeitsgruppe - für das ASF als ganzes sprechen kann. Da hat es von den einzelnen Arbeitsgruppe wahrhaft denkwürdige Statements gegeben, aus denen hervorgeht, dass die jeweilige Gruppe das von sich aus schon bei der Konstituierung ausgeschlossen hat. Besonders die Pressegruppe hat ganz dezitiert ausgeschlossen für das ASF zu sprechen und die Vereinsgruppe hat sogar in ihre Statuten hineingeschrieben, dass der Vereinszweck darin besteht, das rein rechtliche Instrumentarium für das ASF bereitzustellen, aber keinesfalls inhaltlich Einfluss zu nehmen oder als Sprecherin des ASF aufzutreten.

    Punkto Partizipation spielen die Arbeitsgruppen wohl die wichtigste Rolle. In einem selbstregulierenden Prozess schwingen sie sich auf eine lebbare Größe ein und können zudem ihre thematischen Schwerpunkte so setzen, dass möglichst alle Anliegen und Interessen mittels Arbeitsgruppen abgedeckt werden. Die "lebbare Größe" kann natürlich auch gegen Null gehen, wenn entweder das Interesse erlahmt oder schwierig zu überwindende persönliche Differenzen zu Tage treten. "Die Chemie" spielt auch hier keine unwesentliche Rolle.

    Das ASF reicht von seinem Ansatz her so weit in alle mögichen gesellschaftlichen Bereiche hinein, dass es wohl einige hundert thematisch zentrierte Arbeitsgruppen, die wiederum aus mehreren regionale Arbeitsgruppen bestehen, bräuchte, um das ganze Gebiet einigermaßen befriedigend zu bearbeiten.

    Zur Zeit (Mai 2003) gibt es folgende Arbeitsgruppen:

    Das lässt sich selbstverständlich noch nahezu beliebig ausdifferenzieren und ergänzen. Das was hier z.B. passiert würde sehr schön in eine Arbeitsgruppe "ASF-Strukturen" passen. Damit sich so eine Arbeitsgruppe konstituiert, müssen natürlich zuerst die, die das interessiert davon wissen, und - was wohl einigermaßen unumgänglich ist - eine entsprechende Mailingliste eingerichtet und zur Subskription eingeladen werden.

    Welche Arbeitsgruppen es noch geben könnte (kleine Auswahl):

    • Übersetzungen - hier könnten Übersetzungsprobleme bearbeitet werden, also die Übersetzung relevanter Texte, die Betreuung eines DolmetscherInnen-Pools (vielleicht in Kooperation mit http://www.babels.org)
    • Recht - von Rechtsphilosophischem bis zu Rechtspraktischem
    • Finanz - wie bewältigt das ASF die auftretenden finanziellen Probleme? Und was und wie kann von finanzieller Seite beigetragen werden, um Partizipationsschwellen zu senken? (eigene Bank? eigene Stiftung? Fundraising? "Marketing"?? etc.)
    • Analyse + Strategie - was passiert eigentlich rund um die Sozialforen herum und im Prozess und wie wechselwirken die beiden Aspekte? Was wären daraufhin für die weitere Entwicklung des ASF die brauchbarsten Strategien?
    • Begriffe + Verständigung - wie wird im SF-Prozess mit Begriffen umgegangen und mit welchen Bedeutungen sind sie belegt? Wo liegen die Missverständnisse und wie könnten sie ausgeräumt werden?
    • ASF-TV - wohl ein sehr anspruchsvolles Projekt...
    • Musenkuss + Brainstorming - hier könnten die Gedanken besonders frei fliegen...
    • Arbeitstitel: Schulungen - wer weiß was und wer möchte was wissen? Koordinationsstelle, die die Leute jeweils zusammenbringt
    • Sozialforen und das Thema Religion - Beleuchtung (k)einer Beziehung...
    • Sozialforen und das Thema Kunst - Interaktionen? Gestaltungsräume?
    • Webpromotion - vom Bannerexchange bis zur Eintragung in Veranstaltungskalender

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