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Charta der Prinzipien des Weltsozialforums
Charta der Prinzipien
Auf dem ersten WSF wurde von dem brasilianischem
Organisationskomitee eine Charta der Prinzipien entwickelt, die
am ersten Treffen des internationalen Rates abgesegnet wurden.
Genehmigte Fassung mit Änderungen durch den Internationalen
Rat des Weltsozialforums am 10. Juni 2001.
1. Das Weltsozialforum ist ein offener Treffpunkt für
reflektierendes Denken, demokratische Debatte von Ideen,
Formulierung von Anträgen, freiem Austausch von Erfahrungen
und das Verbinden für wirkungsvolle Tätigkeit durch und von
Gruppen und Bewegungen der Zivilgesellschaft, die sich dem
Neoliberalismus und der Herrschaft der Welt durch das Kapital
und jeder möglichen Form des Imperialismus widersetzen, und
sich im Aufbauen einer planetarischen Gesellschaft engagieren,
die auf fruchtbare Verhältnisse innerhalb der Menschheit und
zwischen dieser und der Erde abzielen.
2. Das Weltsozialforum in Porto Alegre war ein örtlich und zeitlich
begrenztes Ereignis. Ab sofort, aus der in Porto Alegre
proklamierten Gewissheit: ≥Eine andere Welt ist möglich„! wird
das Weltsozialforum ein permanenter Prozess des Suchens und
des Aufbauens von Alternativen sein, der nicht auf die
Ereignisse reduziert werden kann, die ihn unterstützen.
3. Das Weltsozialforum ist ein Weltprozess. Alle Versammlungen
und Konferenzen, die als Teil dieses Prozesses abgehalten
werden, haben eine internationale Dimension.
4. Die auf dem Weltsozialforum vorgeschlagenen Alternativen
stehen in Opposition zu einem Prozess der Globalisierung, der
befohlen wird von den großen multinationalen Konzernen und
von den Regierungen und internationalen Institutionen, die den
Interessen jener Konzerne zu Diensten sind - unter der
Mittäterschaft nationaler Regierungen. Diese Alternativen sind
so gestaltet, dass eine Globalisierung in Solidarität als
vorherrschendes neues Stadium in der Weltgeschichte sicher
gestellt wird.
Dieses wird die allgemeinen Menschenrechte respektieren, die
Rechte aller Bürger - Männer und Frauen - aller Nationen, die
Umwelt, und sie wird gestützt sein auf demokratische,
internationale Systeme und Institutionen im Dienste sozialer
Gerechtigkeit, Gleichheit und der Selbstbestimmung der Völker.
5. Das Weltsozialforum bringt Organisationen und Bewegungen
der Zivilgesellschaft aus allen Ländern der Welt zusammen und
verbindet sie, aber beabsichtigt nicht, eine Institution zu sein,
welche die Weltzivilgesellschaft repräsentiert.
6. Die Treffen des Weltsozialforums beraten nicht im Namen des
Weltsozialforums als einer Institution. Folglich wird niemand im
Namen irgendwelcher der einzelnen Veranstaltungen des
Forums autorisiert, Positionen auszudrücken, die behaupten,
die aller seiner Teilnehmer zu sein. Die Teilnehmer des Forums
werden nicht ersucht, Beschlüsse als Institution zu treffen,
weder durch Wahl noch durch Zuruf, über Erklärungen oder
Anträge für Aktionen, die alle oder die Mehrheit binden würden,
die Vorschläge als etablierende Positionen des Forums als
Institution anzunehmen. Folglich stellt es weder einen Ort der
Macht dar, über den von den Teilnehmern auf dessen Treffen
zu diskutieren wäre, noch beabsichtigt es, die einzige Option
für die Wechselbeziehungen und Aktivitäten der Organisationen
und Bewegungen, die an ihr teilnehmen, festzulegen.
7. Nichtsdestotrotz muss Organisationen oder Gruppen von
Organisationen, die an den Treffen des Forums teilnehmen, das
Recht zugesichert werden, während solcher Treffen,
Erklärungen oder Aktionen zu beratschlagen, über die sie,
einzeln oder in der Koordination mit anderen Teilnehmern,
beschließen können. Das Weltsozialforum beabsichtigt, solche
Beschlüsse mit den ihm zur Verfügung stehenden
Verteilungsmitteln weiter zu verbreiten, ohne sie zu lenken, zu
hierarchisieren, zu kritisieren oder einzuschränken, sondern als
Ergebnisse der Organisationen oder der Gruppen von
Organisationen, welche die Beschlüsse getroffen haben.
8. Das Weltsozialforum ist ein pluraler, breit gefächerter, nichtkonfessioneller,
nichtstaatlicher und nichtparteiischer
Zusammenhang, der auf dezentralisierte Art und Weise die
Organisationen und Bewegungen verknüpft, die durch konkrete
Aktionen von der lokalen bis zur internationalen Ebene dabei
mitwirken, eine andere Welt aufzubauen.
9. Das Weltsozialforum wird immer ein Forum sein, das offen ist
für Pluralismus, Vielfältigkeit der Aktionen und Arten des
Engagements der Organisationen und Bewegungen, die sich
entscheiden, an ihm teilzunehmen, sowie für Vielfalt der
Geschlechter, der Ethnien, der Kulturen, der Generationen und
der physischen Kapazitäten, vorausgesetzt, sie halten sich an
die Prinzipien dieser Charta. Weder Repräsentanten von
Parteien noch militärische Organisationen können am Forum
teilnehmen. Regierungsmitglieder und Staatsbeamte, die die
Verpflichtungen dieser Charta annehmen, können als
Einzelpersönlichkeiten eingeladen werden.
10. Das Weltsozialforum widersetzt sich allen totalitären und
reduktionistischen Ansichten der Wirtschaft, der Entwicklung
und der Geschichte, und dem Einsatz von Gewalttätigkeit als
Mittel der Sozialsteuerung durch den Staat. Es unterstützt
Respekt für die Menschenrechte, die Praxis echter Demokratie,
partizipatorische Demokratie, friedliche Beziehungen in
Gleichheit und Solidarität zwischen Menschen, Ethnien,
Geschlechtern und Völkern, und verurteilt alle Formen von
Herrschaft und jede Unterdrückung eines Menschen durch den
anderen.
11. Als ein Diskussionsforum ist das Weltsozialforum eine
Bewegung von Ideen, die zur Reflexion auffordern, und der
transparenten Zirkulation der Ergebnisse dieser Reflexion, über
die Mechanismen der Herrschaft durch Kapital, über die Mittel
und Aktionen, dieser Herrschaft zu widerstehen und sie zu
überwinden, und über die vorgeschlagenen Alternativen zur
Lösung des Problems des Ausschlusses und der sozialen
Ungleichheit, das der Prozess der kapitalistischen
Globalisierung mit seinen rassistischen, sexistischen und
Umwelt zerstörenden Dimensionen international und innerhalb
von Ländern schafft.
12. Als ein Rahmen für den Austausch von Erfahrungen ermutigt
das Weltsozialforum das Verständnis und die gegenseitige
Anerkennung unter seinen teilnehmenden Organisationen und
Bewegungen, und legt speziellen Wert auf den Austausch unter
ihnen, besonders über alles, was die Gesellschaft aufbaut, um
die wirtschaftlichen und die politischen Aktivitäten darauf zu
konzentrieren, dass sie den Bedürfnissen der Menschen gerecht
werden und die Natur respektieren, sowohl innerhalb der
gegenwärtigen als auch für zukünftige Generationen.
13. Als ein Zusammenhang von Wechselbeziehungen versucht das
Weltsozialforum nationale und internationale Verbindungen
unter Organisationen und Bewegungen der Gesellschaft zu
verstärken und neue zu schaffen, welche - sowohl im
öffentlichen wie im privaten Bereich - die Fähigkeiten zum
gewaltfreien sozialen Widerstand gegen den Prozess der
Entmenschlichung, den die Welt zur Zeit durchläuft, zu erhöhen
und gegen die vom Staat ausgeübte Gewalt, - und - welche die
humanen Maßnahmen verstärken, die durch die Aktionen
dieser Organisationen und Bewegungen ergriffen werden.
14. Das Weltsozialforum ist ein Prozess, der seine
Teilnehmerorganisationen und -bewegungen anregt, ihre
Tätigkeiten in die Zusammenhänge von lokalen bis nationalen
Ebenen hinein zu stellen, und aktive Teilnahme im
internationalen Kontext zu suchen, als Anliegen einer
planetarischen Staatsbürgerschaft, und ihre Veränderung
hervorbringenden Praktiken, mit denen sie experimentieren,
eine neue Welt in Solidarität aufzubauen, in die globale Agenda
einzubringen.
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