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kirchen, solidarität, bakunin, bsb, dörfer, zur sache, zur person

Quelle: http://www.mund.at/archiv/oktober2/aussendung271002.htm#12

[Redaktionelle Anmerkung: Bei diesem Text handelt es sich zwar um einen aus einer laufenden Diskussion im MUND gerissenen Beitrag (wer die Diskussion nachvollziehen will, möge bitte den oben angegeben Link bedienen), er erscheint uns aber deswegen als bemerkenswert, weil die Autorin einerseits einen sehr brauchbaren Überblick über einige Konfliktlinien innerhalb der Linken bringt und darüber hinaus sogar Angebote zumindest andeutet, wie die - zumeist in der Tonart des Grabenkampfes - geführten Konflikte, für die meisten Beteiligten fruchtbar bearbeitet werden könnten - einstweilen eine echte Rarität. "BSB" steht übrigens für "Bewegung für soziale Befreiung", MUND für MedienUnabhängiger NachrichtenDienst (ein allemal zumindest beobachtenswertes Projekt zur Schaffung einer alternativen Öffentlichkeit)]

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12 kirchen, solidarität, bakunin, bsb, dörfer, zur sache, zur person
From: Claudia Volgger
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zunächst, und weil die frage gestellt wurde, was die anderen mund-reds dazu sagen:

ich halte beide entscheidungen für richtig, sowohl die, einen beitrag wegzulassen, der für solidarität mit israel plädiert, als auch die, den bsb-aufruf gegen die eu-terrorlisten zu veröffentlichen. innerhalb der redaktion gibt es unterschiedliche positionen zum israelisch-palästinensischen konflikt. wir haben uns aber aus schon öfters dargelegten gründen darauf geeinigt, alle stellungnahmen, die einseitig partei ergreifen, wegzulassen: und ein solidaritätsaufruf ist eine einseitige stellungnahme.

bezüglich bsb: der aufruf selbst, als beitrag, ist weder antisemitisch noch sexistisch noch rassistisch, sondern enthält imo richtige warnungen vor den folgen einer terror-hysterie in kapitalistischen staaten. auch der hinweis, ein satz in einem längeren beitrag, dass palästinensische gruppen ein widerstandsrecht haben, ist an sich nicht falsch: die westbank ist eben besetzt, und wenn sich der widerstand gegen die besetzende armee richtet, ist - bzw. wäre - er völkerrechtlich gedeckt. das widerstandsrecht ist allerdings, wie das notwehrrecht, seinerseits beschränkungen unterworfen, und somit ist eine ausweitung auf die selbstmordattentäter natürlich völlig irrsinnig. davon steht allerdings nichts in dem durchaus vernünftigen beitrag. den allerdings, da stimme ich der kritik zu, soweit sie mir bekannt sind, hauptsächlich personen unterschrieben haben, auf die ich dieses adjektiv keinesfalls anwenden würde. eine für die bsb imo typische mischung: aus linker politik und pathologischen grenzfällen, aus fundierter gesellschaftskritik und antisemitischen ausfällen, aus solidaritätsarbeit und islamistisch-faschistischer propaganda.

reichlich chaotisch, dafür im auftreten militant, eine geschlossenheit vortäuschend, die durch die widersprüchlichen positionen selbst dauernd konterkariert wird. da kann man es sich natürlich leicht machen und auf die nationalen bis völkischen standpunkte fokussieren: damit wär der haufen dann eindeutig charakterisiert, und das ist für ordnungsliebende menschen sicher sehr befriedigend. auch lässt sich bei klarem frontverlauf natürlich das feuer besser bündeln. ich bin aber u.a. antimilitaristische feministin, und deshalb missfällt mir diese methode sehr. was spricht dagegen, der bsb dort entgegenzutreten, wo ihr entgegenzutreten ist, und nur dort? warum ist es nötig, sie in bausch und bogen zu verurteilen? arbeitet sie mit rechten skins oder sonstigen nazis zusammen? tritt sie für national befreite zonen ein? will sie die scharia in österreich einführen?

ganz allgemein haben wir uns in der mund-redaktion darauf geeinigt, bzgl. zensur beiträge zu beurteilen und nicht die personen, die sie einsenden. das ist einerseits eine pragmatische lösung, weil mails bekanntlich sehr phantasievolle absendas haben können; andererseits entspricht es aber auch meiner überzeugung, sachlich und nicht persönlich zu werten. das lässt sich besser abgrenzen, geht weniger tief, lässt damit möglichkeiten, etwa der entwicklung, offen, und macht hexenjagden und feme schwieriger. mich schüttelt es bei der vorstellung, dass da werturteile über personen getroffen werden könnten, anhand einer gewissensprüfung und schriftlicher indizien (ab wann, übrigens, wären entsprechende vorwürfe "verjährt"?) abgesehen davon, dass bei einem ausschluss von sexisten, und nicht nur extrem sexistischen mails, wohl kaum eine linke gruppierung mehr die möglichkeit hätte, im mund zu publizieren.) deshalb kann auch jemand, der als pseudonym den namen des antisemiten bakunin verwendet, im mund schreiben. und dort beweisen, dass er zwar verstanden hat, dass es keine geeinte linke gibt ("stalinistisch"), nicht jedoch, dass von einer rechten feministin nicht auf allgemein feministischen antisemitismus geschlossen werden kann. das strapaziert meine toleranz aufs äusserste. sie hält es aus.

cv

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