Bedingungen für allgemeines Glück - Gerechtigkeit als Schmiermittel sozialen und technischen Fortschritts
Essay in Arbeit
Eliten preisen Diversität (Verschiedenheit) als Mittel zur Innovation
im globalen Wettbewerb der Wissensgesellschaften. Die ängstlichen
Belegschaften von Unternehmen unter Rationalisierungsdruck, ohne
nennenswerte Gewinnbeteiligung und die
Postmodernisierungs-VerliererInnen, die überhaupt kaum Aussichten auf
Teilhabe am Fortschritt haben, spreizen sich gegen jegliche Diversität
und Abweichung von lokalen oder nationalistischen Schrebergärten.
Sie wählen einfältig. Sie bremsen den technischen und sozialen
Fortschritt. Sie versuchen mit aller Macht alte, für sie scheinbar
günstigere Verhältnisse wiederherzustellen. Rational? Irgendwie ja.
Denn bei Innovation stellt sich natürlich die Frage,
Innovation für wen und wozu?
Was nützt mir der neue ipod von Apple und das Internet 2 mit
Videofähigkeit , wenn ich im Wiener Video-Rekorder- oder Kabelwerk
abgebaut werde. Als 50-Jähriger, bis zum Rausschmiss vielleicht hoch innovativer
Facharbeiter, bin ich in Österreich - derzeit - entgültig weg vom
Fortschrittsfenster der für mich goldeneren 70er und 80er Jahre. In Finnland, wo die nationale Lern- und Innovationskultur nicht
nur in den Schulen, sondern auch in der Erwachsenenbilung und in den
Betrieben meist besser ist, sähe die Sache schon etwas anders aus. Dort
haben Ältere heute nicht nur einen höheren Erwerbsanteil, sie verdienen
im Schnitt auch besser als vor 10 Jahren.
Diversität als labiles Mittel zur Steigerung der Innovationsfähigkeiten
Diversität/Vielfalt - z.B. Fremde, Alte und Forest Gump im Team - haben einen Preis. Diversität verursacht unter sonst
gleichbleibenden Bedingungen in der Regel seriöse Instabilität in
sozialen Systemen und Konflikte. Die Erhöhung von Diversität in Teams
ist nur dann produktiver und innovativer, wenn sie erstens im richtigen
Feld eingesetzt wird und zweitens mit verbessertem Management und
verbesserten sozialen Fähigkeiten aller Teammitglieder einher geht.
Drittens wird das Spiel mit Diversität und Innovation für alle nur
solange interessant bleiben, wenn unter dem Strich für alle etwas mehr
übrig bleibt als vorher. Es darf nach Innovation dem Apple-Boss zwar
besser gehen, aber alle, die nach einer erfolgreichen Innovation vom
Fortschritt weiter absolut oder relativ weiter entfernt sind als vor
einer Innovation, werden mit Recht auf solchen Fortschritt pfeifen.
Osama Bin Laden und die jugendlichen in Paris - Sie wissen nicht was sie tun und sind trotzdem erfolgreich
Wie ist das zu verstehen? Um solche Innovations-Nullsummenspiele zu
hintertreiben, muss ich das Spiel gar nicht erklären können oder
verstehen. Laut moderner Gehirnforschung können wir vieles bevor wir es
verstehen oder gar erklären können, beispielsweise sprechen, Billard
spielen und Schlägern wie ein Kampfhund. Denn das Hirn der PISA-NachzüglerInnen lernt ebenfalls
ständig. Es lernt allerdings nicht zwangsläufig lesen und schreiben,
was den Eliten der Innovationsbranchen gefällig wäre, sondern es lernt,
bei diesem Spiel werde ich ständig angeschmiert. Denn, studiere und Du
wirst belohnt, gilt in der Regel nur für Kinder von in irgendeiner Form
reichen Eltern. Einige Ausnahmen, die mit viel Fortüne und einer
gewissen Brutalität gesegnet sind, wie SanierungsmanagerInnen aus der
Unter- oder Mittelschicht können in Krisensituationen Staat machen.
Danach werden sie in der Regel rasch wieder entsorgt - so die
empirischen Befunde der Sozialforschung.
Dieses Spiel funktioniert in Marktwirtschaften heute weltweit mehr oder
weniger gleich. In Finnland softer, in den USA drastischer. Mit
eingebunden sind die ärmeren Länder über eine Arbeitsteilung von:
- saubere Arbeit für die Reicheren und
- Drecksarbeit für die Armen.
Die
globale Schere zwischen Armen und Reichen vergrößert sich unbeirrt
von Programmen der UNO oder noch weniger angesehenen
internationalen Organisationen - abgesehen von ganz
wenigen Ausnahmen - ständig. Natürlich ruckelt bei diesem immer
magereren
Gemisch der Forschrittsmotor.
Denn, wenn ich lerne, dass bei den geltenden Regeln einige immer fast
immer gewinnen, dann werde ich aus dem Spiel aussteigen und wenn das
nicht geht, wenn ich zum Spielen gezwungen werde, werde ich die Regeln
bekämpfen oder schummeln so gut es geht. Natürlich ist das
konfliktträchtiger als ein Win-Win-Spiel bei dem alle gewinnen - manche
mehr, manche weniger. Widerstand lernen selbst die Dümmsten bald, wenn
sie auch nicht verstehen oder gar erklären können was sie tun.
Deshalb ist die Innovationskultur und die Fortschrittsfähigkeit,
die
Fähigkeit Verschiedenheit zu ertragen und als Bereicherung zu erleben
an
die Fähigkeiten einer Gesellschaft zur gerechten Beteilung der
Schwächsten gebunden. Das beißt den linear nach oben oder vorne
strebenden Eliten natürlich in Schwanz. Sie sind - und werden es
systematisch ewig
bleiben - auf Gedeih und Verderb mit den sogenannten Dummen verbunden.
Das haben die Weisen der Welt schon längst erkannt, nur in Politiik und
Management dürfte, mangels Kontemplations-, Reflexionszeit und
Arroganz der Macht, diese Erkenntis schwerlich von unten nach oben
sickern. Dazu braucht wohl eine sehr innovative Pumpe der Aufklärung in
den um Reduktion der Vielfalt bemühten Gehirnen von reichen aber in
gewisser Hinsicht ebenso einfältigen Eliten.
Link